King Kong – überhaupt nicht affig

20170818_181746.jpg

Der Gedanke, meinen letzten Abend in Kapstadt damit zu verbringen, auf meinen gepackten Koffer zu starren, sagte mir gar nicht zu. Deshalb habe ich mir am Freitag recht kurzentschlossen noch einmal eine Theaterkarte gekauft und bin für meinen Abschlussabend in einem der plüschigen Sessel des Fugard Theatres versunken. Wie ich auf die Idee gekommen bin? Am Anfang stand die Empfehlung eines Kollegen, der mich auf die Neuinszenierung des Musicals King Kong hinwies und darauf, dass das Stück Kult sei.  

 

 

Die Originalinszenierung von 1959 sahen allein in Südafrika 200 000 Zuschauer – gespielt wurde das Stück vor rassegemischtem Publikum, ein kleiner Skandal damals. 1961 zog das Musical ins Londoner West End und erfreute dort auch europäisches Publikum. Dazu trugen mit Sicherheit auch die mitreißenden Jazzstücke von Todd Matshikiza bei. Die erklingen auch in der Neuinszenierung, das Textbuch von Pat Willams wurde dagegen ergänzt und vorsichtig modernisiert.

Mein Blick gleitet über die noch leere Bühne. Nur ganz oben hinten in der Kulisse, nur schemenhaft durch ein rostbraunes Stück Streckmetall zu erkennen, hat bereits die Musical-Band platzgenommen. Rostbraun ist auch der Rest des Bühnenbilds und Wellblech ist ein nicht unwesentlicher Bestandteil. Die Atmosphäre erinnert an eine Mischung aus Containerhafen und Wellblechsiedlung. Zumindest letztere Assoziation ist gewollt.

Die ersten Darsteller, die die Bühne betreten, sind vier Jungs in Schuluniformen, die herumblödeln und einen Ball  hin und her kicken und letztlich fangen zwei von ihnen beinahe eine Rauferei an. Doch dann tritt Popcorn auf, Barbier und Geschichtenerzähler, der die Streithähne trennt. Er zückt nur einmal sein Rasiermesser, schon spritzen die Jungs auseinander. Dabei war das gar nicht als Drohung gemeint. „This Razor shaved the King´s beard“, erklärt Popcorn und beginnt den Jungen die Geschichte des Boxers King Kong zu erzählen. Dazu nimmt er sie und das ganze Publikum mit in das Sophiatown der 1950er-Jahre. Das Interesse der Schuljungen ist sofort geweckt, denn einer von ihnen träumt von einer Karriere als Boxer. Auch ich als Zuschauerin konnte mich Popcorns Erzählung nicht entziehen.

Sophiatown, das war ein eher armes, aber lebhaftes Viertel von Johannesburg, in dem die Menschen trotz Apartheid „farbenblind“ zusammenlebten. Sophiatown, das war Heimat von Künstlern, von Jazz, von Gangstern. Wellblech gab es sicher auch genug. Das reale Vorbild der Figur King Kong war der Schwergewichtsboxer Ezekiel Dlamini. Auch er bewegte sich in diesem Umfeld. Den Spitznamen King Kong bekam er wegen seiner ungeheuren physischen Stärke. Man nannte ihn auch ehrfürchtig „The King“.

Spot on! „King Kong right on top man / King Kong never can fall /King Kong nothing can stop him /That´s me! I´m him! King Kong!” jazzt es durch den Saal. King Kong betritt im mit zwei großen K bestickten Seidenmorgenmantel die Bühne, auf der aus dicken Tauen ein Boxring aufgebaut wurde. Der Boxkampf selber findet ungeheuer spannungsvoll in Zeitlupe statt. Natürlich geht King Kong als Champion aus dem Ring.

Die nächste Szene ist als Pressekonferenz inszeniert. Und an dieser Stelle wird das Musical etwas politisch. Der frischgebackene Boxchampion äußert, dass er nach London will, um dort ein Botschafter des schwarzen Sports zu werden. Im Apartheidsstaat durfte er offiziell nur gegen andere schwarze Boxer antreten.

Was wäre ein Musical ohne einen romantischen Handlungsstrang? Ratzbatz wird die Bühne zu einer illegalen Kneipe, der Shebeen “Back of the Moon” umgebaut. Besucher schwingen ihr Tanzbein und die Shebeen Queen Joyce tritt dort im engen Glitzerkleid als Sängerin auf. Die Rolle der Joyce ist keine einfache, nicht nur weil das Gesangsstück „Back of the Moon“ ein weites Spektrum Tonhöhen umfasst, sondern auch, weil die Fußstapfen denkbar groß sind. In der originalen Inszenierung von 1959 spielte Miriam Makeba diese Rolle und begann damit ihre internationale Karriere. Die jetzige Darstellerin Nondumiso Tembe ficht das nicht an. Im Interview las ich, dass sie, weil ihre Stimme ganz anders ist als die von Miriam Makeba, deren Interpretation nur als Inspirationsquell, nicht als Kopiervorlage nutzte – und sich so gewissermaßen emanzipierte. In diese Shebeen kommt King Kong kommt als Special Guest, um seinen Erfolg zu feiern. Und er verfällt Joyce. Das wiederum findet der Gangster Lucky nicht so gut, der, zusammen mit seinen Komplizen, King Kong auflauert. Die drei Ganoven fuchteln gefährlich mit ihren Messern, schon der leicht irre Blick des Lucky-Darstellers Sanda Shandu vermittelt aber den Eindruck, dass mit den drei Herren in Nadelstreifenhosen und Westen nicht gut Kirschen essen ist. Am Ende eines spektakulären Bühnenkampfs geht jedoch ein Gangster zu Boden, nicht King Kong, der sich mit Fäusten zu wehren weiß.

Ab diesem Punkt wird die Handlung ziemlich tragisch. King Kong wird verhaftet und verbringt einige Zeit hinter Gittern. Als er wieder freikommt, hat sein Boxtrainer Jack ihn fallen lassen. Schlimmer noch: Es finden sich keine würdigen Gegner mehr. Letztlich ist es Gangster Lucky, der einen Kampf für King Kong einfädelt. Der Gegner ist allerdings ein Mittelgewichtsboxer – Schwergewicht King Kong ist in seinem Stolz gekränkt. Umso mehr, nachdem er in Runde 3 k.o. geschlagen wurde. Auch in der Liebe hat er kein Glück. Als King Kong verhaftet wurde, war Joyce am Boden zerstört. Nun sieht er sie aber mit Lucky. Das bringt King Kong so zur Weißglut, dass er sie aus Eifersucht ersticht. Noch mit Blut auf dem Hemd steht er vor Gericht und wird zu lebenslanger Haft verurteilt. King Kong selber wollte für sich die Todesstrafe. Doch das Gerichtsurteil bringt ihn von der Entscheidung, sterben zu wollen, nicht ab: Im Gefängnis begeht er Selbstmord. Während der King Kong Darsteller Andile Gumbi im ersten Akt den stolzen Kraftprotz geben durfte, beweist er nun, dass ihm auch der gebrochene Mann ganz gut liegt.

Zum Glück gibt es in diesem Jammertal von zweitem Akt Popcorn, der nicht nur die Erzählerrolle übernimmt, sondern auch den komödiantischen Part abdeckt. Und er bekommt seine eigene Liebesgeschichte. Von Anfang an schwärmt er für Petal, die ihn zunächst keines Blickes würdigt, weil sie die Augen nicht von King Kong wenden kann. Ihm wiederum ist sie egal – Joyces verruchte Art interessiert King Kong mehr als das brave Mädchen Petal. In einem sehr stimmungsvollen Lied singt Petal dann jedoch, dass die Zeit des Wartens vorbei ist und macht daraufhin Popcorn einen Heiratsantrag. Die Hochzeit auf der Bühne ist dann sogar eine doppelte: Auch der Boxtrainer Jack hat den Heiratsantrag seiner Mirjam angenommen. Für ordentliches Lachmuskeltraining sorgt in dieser Szene der slapstickmäßig gestresste Pfarrer, der nach einer absolut nicht unchaotischen Turbotrauung schnellstmöglich davon rauscht. 

Als der Vorhang fällt, gibt es Standing Ovations. Auch wenn ich nach vier Theaterbesuchen das Gefühl habe, dass sich südafrikanisches Publikum schnell dazu hinreißen lässt, muss ich sagen, dass ich es in diesem Fall für gerechtfertigt halte. Musikalisch, tänzerisch und schauspielerisch haben alle Beteiligten eine hochkarätige Aufführung abgeliefert.

 

 

 

Advertisements

Hafengeschichten

Die Titelseite der Cape Times verkündete kürzlich stolz, dass Kapstadt in einem Reisezielranking zur “Best City in Africa and the Middle East” gewählt wurde. An manchen Ecken ist die Stadt tatsächlich sehr touristisch. Jedes Mal, wenn ich in der Long Street oder an der Uferpromenade die Ohren aufsperre, höre ich Sprachen, die über das übliche English-Xhosa-Afrikaans-Gemenge hinausgehen. Dass auch die meistbesuchte Touristenattraktion Afrikas in Kapstadt liegt, wundert mich daher wenig. Die Überraschung ist jedoch: Es handelte sich weder um den Tafelberg, noch um Robben Island. Nein, die V&A-Waterfront räumt den Titel ab.

P1040265
Für Shoppingqueens und -Kings

Unternehmen kann man dort vor allem eines: Shoppen gehen! Neben unzähligen Souvenirgeschäften gibt es eine schicke Shoppingmall, in der es fast alles gibt, und einen ebenso schicken Food Market mit Spezialitäten aus aller Welt. Ich kenne einige Locals, die nie im Leben an der Waterfront ihre Einkäufe erledigen würden. Viel zu touristisch, viel zu überteuert. Umgekehrt sieht man auch immer wieder mal bierernste Kulturtouristen, die das Shoppingparadies links liegen lassen und nur auf dem Weg zur Robben-Island-Fähre rasch durchqueren.

Dabei hat das Areal selbst auch eine interessante Geschichte. Um die zu erkunden, kann man sich mit einem Rundgang aus nummerierten Texttafeln selbst auf den Weg machen. Ich habe das vor einigen Wochen ausprobiert und habe mich gefühlt wie auf Schnitzeljagd, denn es ist gar nicht so einfach, die jeweils nächste Infotafel zu finden. Manche waren so gut versteckt, dass ich das Suchen aufgegeben habe. Dann doch lieber eine der von mir hochgeschätzten , die gibt es an der Waterfront nämlich auch.

Die Tour führt auf direktem Weg ins alte Kapstadt. Quasi seit der Landung der ersten Europäer hier, spielte das Fleckchen Land an der Tafelbucht, das mal Kapstadt werden wollte, eine enorm große Rolle in der Schifffahrt, vor allem als Versorgungsstation. Von daher ist es ziemlich erstaunlich, dass es gut 200 Jahre dauerte, bis die ersten festen Schiffsanleger gebaut wurden. Vorher ankerten die Schiffe schlicht und einfach in der Bucht und nicht wenige wurden während der rauen Winterstürme losgerissen und weggetrieben. In den 1850ern wollte deswegen keiner mehr Schiffe versichern, die Kapstadt anliefen. Das gab den Ausschlag, einen Hafen zu bauen – auf dem Gelände der heutigen V&A-Waterfront.

Kapstadt stand damals unter der Herrschaft der britischen Krone. Trotzdem steht V&A an der Waterfront nicht für Victoria und Albert. Alle Ehre wird hier ihrem Sohn Alfred zu Teil, der 1860 die erste Ladung Steinbrocken in die Tafelbucht kippte. Viele, viele Ladungen folgten, bis ein Wellenbrecher von beeindruckenden Ausmaßen gebaut war. Wer schleppte all die Steine? Die Sklaverei wurde am Kap schon 1834 abgeschafft, deshalb mussten Häftlinge die harte Arbeit verrichten. Noch heute thront das Gefängnisgebäude über dem Hafen. Es beherbergt aber keine Häftlinge mehr, sondern ein Hotel und die Graduate School of Business.

P1040241Damals war der Hafen sicherlich auf dem allerneuesten Stand. Es gab zwei Hafenbecken – ebenfalls nach Victoria und Alfred benannt – und das erste Trockendock im südlichen Afrika. Das Büro des Hafenkapitäns verfügte über eine Art frühes CCTV-System: Mit Spiegeln konnte er in alle Richtungen den Hafen überblicken. Damit man auch bei Nacht arbeiten konnte, wurde schon 1882 elektrisches Licht genutzt. Der Rest der Stadt wurde erst 13 Jahre später elektrifiziert.

100 Jahre später sah es für den Hafen deutlich weniger rosig aus. Wegen der Handelsboykotte gegen das Apartheidsregime lagen große Hafenflächen brach. In den 1990ern wurde daraufhin investiert und saniert, was das Zeug hielt – erfolgreich. Läden, Restaurants, Büros und Hotels siedelten sich an und das schrammelige Hafenviertel wurde zum schicken Freizeitkomplex.

Trotz allem ist die Waterfront auch heute noch ein im Betrieb stehender Hafen. Nicht nur die Robben-Island-Fähre legt dort an, sondern auch Kreuzfahrt- und Frachtschiffe. Sogar das 135 Jahre alte Trockendock wird noch genutzt. Nur der Hafenkapitän hat sein Büro heute nicht mehr im verschnörkelten, viktorianischen Clock Tower. Aus funktionalen Gründen wird heute von einem – in der Tat auch sehr funktional aussehenden – Kontrollturm an der Hafeneinfahrt aus der Hafen verwaltet.

 

Vor sechs Wochen habe ich den historischen Waterfront-Rundgang gemacht. Am letzten Wochenende hat es mich wieder einmal dorthin verschlagen, aus ganz touristischen Gründen: Ich war auf der Suche nach einer schönen Postkarte. So im Vorbeigehen habe ich aber auch interessiert nachgeschaut, ob vielleicht ein Schiff auf Trockendock liegt… Denn die Waterfront ist eben nicht nur Touristentrubel.

 

Sternzeit

Das Viertel, in dem ich wohne, heißt Observatory. Und das hat auch einen Grund: Namensgebend ist die Sternwarte am Ufer des Liesbeek Rivers, das South African Astronomical Observatory.

In den 1820ern wurde auf dem sumpfigen Land am Fluss das Observatorium gebaut, in erster Linie um Sternenkarten für die Navigation auf hoher See zu erstellen. Auch die zweite Aufgabe hat ganz direkt mit der Seefahrt zu tun: Von der Sternwarte aus wurden Zeitsignale gegeben, nach denen die im Hafen liegenden Schiffe ihre Chronometer stellen konnten.

Die Sternwarte kann auch einen Superlativ für sich verbuchen: Es handelt sich um die erste permanente astronomische Forschungseinrichtung auf der Südhalbkugel. Die Forschung, die hier betrieben wurde, ging tatsächlich weit über die Kartierung des Nachthimmels hinaus. Der Gründer und erste Direktor der Sternwarte, Fearon Fallows, legte nicht nur den Grundstein für die Sternwarte, sondern auch in Sachen Sternenkatalogisierung. Der zweite Direktor, Thomas Henderson, war der angeblich der erste, der Messungen zur Distanz eines Sterns von der Erde anstellte. Weil er seinen Messwerten nicht traute, veröffentlichte er jedoch nichts dazu, weshalb die Messmethode heute einem deutschen Astronomen namens Bessel zugschrieben wird. Der dritte Direktor hieß McLear und begnügte sich nicht mit der Kartierung des Sternenhimmels. Er gilt obendrein als Vater der modernen Landvermessung. Und so setzt sich die Reihe fort.

Am Samstag hatte ich selber Gelegenheit zum Sterne gucken.  Zweimal im Monat veranstaltet die Sternwarte eine Nacht der offenen Tür. Nach der Führung durch die Sternwarte konnten wir Besucher selber durch die Fernrohre schauen. Zu sehen gab es zum Beispiel den Jupiter und vier seiner Monde. Und den Saturn, von dem man sogar die Ringe sah. Und das Kreuz des Südens finde ich nun auch am Nachthimmel.

 

 

Die leistungsstarken optischen Teleskope für die Wissenschaftler stehen heute jedoch nicht mehr hier, sondern  in der Nähe von Sutherland in der Karoo, weil es dort dunkler ist, als zwischen Kapstadts Straßenlaternen. Zum Beispiel das Southern African Large Telescope, SALT, das größte optische Teleskop der Südhalbkugel.

Ebenfalls zum Programm bei der Nacht der offenen Tür gehörte ein Fachvortrag, der ein ganz anderes Gebiet der Astronomie beleuchtete. In der Radioastronomie geht es gar nicht ums Sternengucken, stattdessen werden mit riesigen Satellitenschüsseln Radiowellen aus dem All aufgefangen. Mit dieser Methode kann man dunkler Materie, dunkler Energie, schwarzen Löchern und kosmischem Magnetismus nachspüren oder sogar nach extraterrestrischem Leben fahnden. Auch in Sachen Radioastronomie ist Südafrika obenauf. Mit dem schon existierenden MeerKAT Teleskop wird fleißig an der Entwicklung der ersten Galaxien geforscht. Südafrika eignet sich als Standort gut, weil es relativ wenige Störungen durch Mobilfunkwellen und Radiostationen gibt. Deshalb soll in der Karoo in den nächsten Jahren das Square Kilometre Array gebaut werden, das alle bisherigen Radioteleskope übertreffen wird.  Alles übertreffen wird auch die Größe der Datensätze. Gefragt sind also nicht nur Astronomen, sondern auch Informatiker.

Südafrika und Astronomie – das passt scheints gut zusammen. Kapstadt ist wahrscheinlich auch die einzige Stadt, deren Wahrzeichen am Himmel strahlt. 1751 war ein französischer Astronom namens Lacaille in der Kapkolonie zu Gast. Eine Sternengruppe erinnerte ihn an den Tafelberg. Im Zuge seiner Arbeit, dem Bestimmen von Sternbildern, taufte er das Sternbild auf diesen Namen. Und da sage nochmal jemand, der Mount Everest wäre der höchste Berg…

Zip Zap Hurra!

Als ich das letzte Mal im Zirkus war, muss ich noch in der Grundschule gewesen sein. Ganz genau erinnere ich mich nicht mehr. Woran ich mich aber noch erinnere, ist eine Geolino-Reportage über ein besonderes Zirkusprojekt, den Zip Zap Circus Kapstadt, die ich ungefähr zu dieser Zeit gelesen habe. Es wurde also Zeit, die Erinnerung an Zirkus im Allgemeinen einmal aufzufrischen und dem Zip Zap Circus im Besonderen nachzuforschen. Am Samstag  habe ich die Gelegenheit genutzt.

Einerseits war die Vorführung, die ich mir angeschaut habe, eine Benefizveranstaltung für den Cape Leopard Trust. Auf der anderen Seite feierte Zip Zap mit der Show auch sich selber. Grund dazu gibt es genug. Der Zip Zap Circus wird in diesem Jahr 25 Jahre alt.

1992… Die Apartheid bröckelte, doch die sozialen Gräben waren tief. In diesem Umfeld gründeten Laurence Estève und Brent van Rensburg den Zip Zap Circus mit dem Ziel, Kindern aus verschiedensten Verhältnissen zusammenzubringen. Die Zirkuskünste sollten dabei als Kitt dienen. Zip Zap versteht sich als Zirkusschule genauso wie als Schule des Lebens. Neben Jonglage oder Akrobatik sollen die Kinder und Jugendlichen auch Werte wie Teamwork und Durchhaltevermögen lernen. Und natürlich Spaß haben.

Wer bei Zirkus an ein buntes, rundes Zelt denkt, wird sich schwer tun, den Zip Zap Circus als solchen zu erkennen. Was dort eingekeilt zwischen dem klotzigen Artescape Theatre und dem Hafen vorzufinden ist, sieht eher aus wie ein weißer Schildkrötenpanzer. Dort finden die Trainingseinheiten für die Artisten statt und die Vorstellungen.

Zur Abwechslung lohnte es sich auch, etwas zu früh zu kommen. Im Eingangsbereich der Zirkuskuppel gibt es nicht nur Würstchen und Naschkram, sondern auch eine artistische Vorspeise. Einige Jongleure lassen bereits ihre Bälle fliegen. Ich vermute, es ist ihr Aufwärmprogramm, für die Zuschauer jedenfalls ist es ein Appetithäppchen auf das, was später kommt.

Kurz darauf heißt es „Bitte platznehmen, die Vorstellung beginnt!“ Hinter den Kulissen hört man einen Manege-frei-Schlachtruf, der in einem lautstarken „Zip Zap!“ endet und dann stürmen die Artiste die Bühne (von Manege kann wegen der Form der Kuppel keine Rede sein) mit einer Clownsnummer, in der ein Fotograf ein Gruppenfoto knipsen will, die Gruppe aber natürlich macht, was sie will.

Der Rest der Show ist sehr akrobatisch. Trapez, Vertikaltuch, Trampolin, Schlangenmenschen… In jede einzelnen Vorführung beeindrucken mich die Gelenkigkeit, Kraft und Eleganz der Darsteller. Umso mehr, weil die Artisten Jugendliche, zu größten Teil vermutlich jünger als ich selber, sind.

Meine Lieblingsnummer strapaziert obendrein die Lachmuskeln. Zwei faule Bäckergesellen werden von ihrem Meister auf Trab gebracht. Mit einer einzelnen Ohrfeige ist das nicht getan. Viel mehr entwickelt sich daraus eine vor Slapstick nur so triefende Showeinlage. Wenn der Bäckerjunge, der sich gerade eben noch neben einen Stuhl gesetzt hat, im nächsten Moment ein Salto springt, wirkt das alles aber gar nicht tollpatschig. Die Baker Boys scheinen ein Klassiker aus dem Zip Zap repertoire zu sein – deswegen gibt es hier einen Videoclip der Nummer.

Das Motto von Zip Zap ist „ordinary kids doing extraordinary things“. Außergewöhnlich gut fand ich die Darbietungen tatsächlich. Ein weiterer Leitsatz ist „dare to dream“. Damit die Kinder, die an den Zirkuskursen teilnehmen, nicht nur von einer Zirkuskarriere träumen können, dient dieser Leitsatz auch als Name für eine auf Professionalisierung ausgerichtete Ausbildung für fortgeschrittene Artisten. Wer sie durchlaufen hat, hat danach die Qualifikation berufsmäßig als Zirkusartist zu arbeiten. Oder als Trainer für jüngere Zip Zap Kinder – ein Schneeballeffekt.

In den letzten 25 Jahren hat sich Zip Zap zur Marke für gelungene Jugendarbeit entwickelt. In Südafrika und darüber hinaus, denn Zip Zap Artisten gaben auch schon internationale Shows. Inzwischen ist Zip Zap aus dem Schildkrötenpanzer im Foreshore Area herausgewachsen. Die neue Zirkusakademie ist gerade im Bau und soll im September fertig werden. Dann können die nächsten 25 Jahre ja kommen.