Handwerkliche Nachbereitung

Zu den Dingen, die ich in Kapstadt manchmal sehr vermisst habe, gehört zweifelsohne eine Nähmaschine in greifbarer Nähe. Das lag hauptsächlich an den schönen, bunten Baumwollstoffen, die es Südafrika zu kaufen gibt: Shweshwe.

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Der originale Shweshwe-Stoff ist indigofarben mit feinen weißen Mustern. Die Drucktechnik ist dieselbe wie beim europäischen Blaudruck: Mit gravierten Kupferwalzen wird Säure auf den durchgefärbten Stoff aufgebracht, die die Farbe entlang der Muster wieder wegätzt. Tatsächlich waren es die Europäer, die in den 1840er-Jahren den blauen Stoff mitbrachten. Zum Beispiel dem König Moshoeshoe I als Geschenk – von seinem Namen soll sich das Wort Shweshwe ableiten.

Auf Xhosa heißt Shweshwe auch ujamani, in Anlehnung an das Wort German, denn zunächst waren es die deutschen Siedler in der Ostkapprovinz, die sich in Shweshwe kleideten. Mit der Zeit übernahmen die Xhosa den blauen Stoff in ihre eigene Gaderobe und würden heute – gute 150 Jahre später – wohl sagen, dass Shweshwe-Röcke und Shirts zu ihrer traditionellen Kleidung gehören.

Dabei wird erst seit 1982 im großen Stil Shweshwe in Südafrika produziert. Lange Zeit wurde der Stoff aus England eingeführt. Seit den 80er-Jahren wurde das Farbspektrum zuerst auf schokoladenbraun und dunkelrot erweitert, heute gibt es Shweshwe in allen erdenklichen Farben von grün und türkis über pink und violett bis gelb und orange. Die Muster sind jedoch dieselben geblieben.

Nur ein paar 100 Meter entfernt von meiner kapstädter Bleibe gab es eine Schneiderei, die aus den Stoffbahnen Mode machte. Einerseits wurden dort traditionelle Schnitte mit den neuen Farben kombiniert, wie zum Beispiel bei dem Shirt, das meine Kollegen mir zum Abschied schenkten. Andererseits hingen auch modische Jumpsuits und Kapuzenpullover im Schaufenster. Neben den fertigen Kleidungsstücken konnte man den Stoff auch meterweise kaufen.

An meinem letzten Tag in Kapstadt habe ich mich dort gründlich eingedeckt und sogar noch den Verschnitt nach brauchbar großen Stücken durchwühlt. Seit ich wieder zuhause und in der Nähe einer Nähmaschine bin, arbeite ich an der Shweshwe-isierung meines Alltags. Mein Terminkalender kleidet sich in einen schicken Stoffeinband, aus den Verschnittstücken habe ich Schlüsselbänder, Anhänger und Krimskrams-Täschchen genäht und am vorletzten Wochenende ein Sweatshirt mit Shweshwe-Einsatz. Kurz gesagt trage ich neben allen Südafrika-Erinnerungen auch ganz materiell immer ein bisschen Kapstadt mit mir herum.

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Gruß zum Jahreswechsel

2016… was für ein Jahr! Der Brexit befürwortet, Trump zum Präsidenten gewählt, der Putschversuch in der Türkei niedergeschmettert. Einschneidende Ereignisse!

Die gab es allerdings nicht nur weltpolitisch zu verzeichnen. Für mich selber ist 2016 auch ein ereignisreiches Jahr gewesen – im positiven Sinne. Von Fahrprüfung bis Abiturklausuren habe ich einige kleinere und größer Herausforderungen gemeistert. Im Sommer hat es mich im Zuge der Internationalen Biologieolympiade bis nach Singapur und Hanoi verschlagen. Und nun Südafrika!

Was ich hier schon alles erlebt habe, können Sie in den vorangegangenen Blogbeiträgen nachlesen. Ich möchte allerdings heute auch  einmal die Gelegenheit nutzen, mich zu bedanken, und zwar bei meinem Unterstützerkreis:

„weltwärts“ lebt davon, dass Freiwillige wie ich finanzielle Unterstützung von ihren Spendern bekommen. 1700€ sind bereits auf meinem Spendenkonto gelandet. Das ist beachtlich. Herzlichen Dank!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch und ein ebensolches neues Jahr 2017.

Dem Himmel ein Stück näher

Tagsüber stellt der Tafelberg als Touristenattraktion wahrscheinlich alle anderen Erhebungen in Kapstadt in den Schatten. In Vollmondnächten dagegen bringt es auch sein kleinerer Nachbar, der Lion´s Head, zu erstaunlicher Beliebtheit. Dann pilgern traditionell ganze Hundertschaften auf die schroffe Felskuppe, um von dort aus zuerst die Sonne im Meer versinken  und dann den Mond aufgehen zu sehen. „Dem Himmel ein Stück näher“ weiterlesen