Safari mal anders

Was ist die Hauptstadt Südafrikas? Keine einfache Frage! Das Parlament sitzt in Kapstadt, die Regierung in Pretoria. Das wirtschaftliche Zentrum ist Johannesburg. Und dann gibt es auch noch eine Stadt, die Anspruch auf den Titel Walhauptstadt erhebt: Hermanus.

Dabei gibt es in dem Städtchen an der Walker Bay, ungefähr 120km von Kapstadt entfernt, die längste Zeit des Jahres gar keine Wale zu sehen. Im Winter allerdings, ungefähr von Juli bis Oktober, umso mehr. Dann zieht nämlich der Südkaper aus dem Polarmeer nach Norden, in wärmere Gewässer, um zu kalben und sich an Krill satt zu fressen. Und das zieht wiederum viele Schaulustige an. Entlang der Küste gibt es einige empfohlene Whale Watching Plätze – die Nummer eins ist Hermanus. Am Samstag habe ich zusammen mit einer kapstädter Freundin einen Ausflug dorthin gemacht.

Um Wale zu sehen, muss man in Hermanus nicht einmal in ein Boot steigen. Weil das Meer bis dicht an die Klippen heran relativ tief bleibt, trauen sich die Südkaper bis nah ans Ufer heran. Ich hatte gerade erst die Autotür zufallen lassen, einen ersten Blick aufs Meer geworfen – schon sah ich im weiten Blau den Blas eines Wals. Von den Klippen aus und durchs Fernglas betrachtet sah das ganze Schauspiel noch ein Stückchen spektakulärer aus. Immer wieder tauchten grau-weiß-gefleckte Walrücken, Flossenspitzen oder die breiten Schwanzflossen aus dem Wasser auf.

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Suchbild: Wo ist der Wal?

Und einmal sah ich, wie ein Wal im Ganzen aus dem Wasser sprang. Ein beeindruckendes Schauspiel, immerhin werden Südkaper bis zu 16m lang. Auch wenn es sich bei dem springenden Wal, wenn ich meinem Augenmaß trauen kann, nicht um ein so großes Exemplar handelte, verursachte er einen ordentlichen Platscher.

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Damit selbst mit Blindheit geschlagene oder unaufmerksame Touristen keinen Wal verpassen, gibt es in Hermanus eine einzigartige Institution: den Walschreier. Wie alle anderen Schaulustigen steht er in den Klippen, wenn ein Wal in Sicht ist, bläst er in ein Horn. Eigentlich könnte er permanent vor sich hintröten. Zum Glück weist er nur auf die Wale hin, die besonders nah kommen, denn das Geräusch des Horns geht wirklich durch Mark und Bein. Obendrein vermute ich, dass auch dem Walschreier der eine oder andere Wal entgeht, wenn Touristen, die ein Foto mit ihm wollen, ihn von der Arbeit ablenken.

Selbst außerhalb der Walsaison bleibt Hermanus Walhauptstadt. Es gibt ganzjährig allerlei Walsouvenirs, die Denkmäler und Skulpturen an der Uferpromenade kennen nur ein Thema und sogar ein kleines Wal-Museum wurde eingerichtet. Davor liegt ein Wal. Kein gestrandeter, sondern eine Statue in Originalgröße. Ein kleines Whale-Watching-Erfolgserlebnis für alle, die unglücklicherweise außerhalb der Saison nach Hermanus kommen?20170805_134950

So ganz selbstverständlich ist es nicht, dass es heute in Hermanus so viele Wale zu sehen gibt. Der englische Name des Südkapers lautet Right Whale, weil es der „richtige“ Wal  für den Walfang war: Ein langsamer Schwimmer, der sich in Ufernäher aufhält, reichlich Tran und Speck lieferte und dessen Kadaver praktischerweise an der Wasseroberfläche trieb. Weil diese Eigenschaften für die Walfänger wesentlich vorteilhafter waren, als für ihre Beute, war der Südkaper im frühen 20. Jahrhundert am Rande des Aussterbens. Inzwischen haben sich die Bestände wieder erholt.

Zum Glück – für die Wale, Hermanus und mich. Was ich bei dem Ausflug gesehen habe, möchte ich nicht missen.

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