Eingewöhnungswoche daheim

Am vergangenen Sonntag um 11:37h bin ich nach mehr als 10 Monaten wieder in Erfurt aufgeschlagen. Da steckten mir fast 24h Reise in den Knochen. Doch mal von vorn…

Samstag Vormittag… der Koffer zu, der Kleiderschrank leer, mein Vorratsfach in der Küche mitsamt Restbeständen an Gewürzen an meine Nachfolgerin übergeben. Unter der Floskel „Auf gepackten Koffern sitzen“ kann ich mir jetzt etwas vorstellen. Um kurz nach 12 lieferte ich beim Vermieter meinen Schlüssel ab und lud meinen Koffer ins Auto einer kapstädter Freundin, die mich zum Flughafen brachte. Dort brachte ich dann den letzten von unzählig vielen Abschieden hinter mich.

Der spannendste Moment war die Gepäckaufgabe. Mangels Waage konnte ich im Voraus nur schätzen, wie schwer mein Koffer ist. Dass das Limit von 23kg wohlmöglich knapp werden könnte, habe ich aber die ganze Zeit befürchtet. Auf dem Display am Schalter leuchtete letztlich eine kleine 22,5 auf – Maßarbeit! Und große Erleichterung meinerseits. Vor allem auch darüber, das keiner mein Handgepäck wiegen wollte. Das war vor lauter Xhosa-Sprachkursheften, vollgeschriebenen Notizbüchern und Mitbringseln nämlich mit Sicherheit zu schwer.

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Letzter Blick auf Kapstadt

Mein Flug nach Frankfurt via Johannesburg und Zürich und die Zugfahrt nachhause waren lang genug, um noch einmal die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen. Ich habe beschlossen, dass das einen eigenen Blogbeitrag wert ist – in den nächsten Tagen mehr dazu!

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Home Sweet Home

Beim Vorbereitungsseminar wurden wir vorgewarnt, dass wir nach unserer Rückkehr mit großer Wahrscheinlichkeit einen umgekehrten Kulturschock erleiden werden. So schockierend fand ich die letzte Woche nicht, nur am ersten Tag waren einige Kleinigkeiten ungewohnt. Schon auf der Zugfahrt von Frankfurt nach Erfurt fiel mir auf, dass alles so ungeheuer grün ist – Aus Kapstadt war ich eine eher trockene Landschaft gewöhnt. Genauso seltsam fand ich es, als mein Sitznachbar dem Snackverkäufer im Zug einen Kaffee abkaufte und mit Münzgeld bezahlte. Irgendwie war mein Gehirn noch darauf geeicht, dass ein Filterkaffee 20 Rand kostet – und das ist ein Geldschein. Und natürlich habe ich zunächst auch noch die Nachbarn mit „Hello“ gegrüßt. Darüber bin ich inzwischen hinweg.

Ich wurde im Laufe der letzten Woche ein paar Mal mit „Du hast dich ja gar nicht verändert!“ begrüßt. Das würde ich so nicht ganz unterschreiben – meine Zeit in Südafrika ist sicherlich nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Ein Problem, mich wieder in das gewohntee Umfeld einzufügen, hatte ich bisher trotzdem nicht. Im Gegenteil habe es genossen, mich mit alten Freunden zu treffen, und unsere familäre Kartenspielrunde ebenso. Und ich weiß es sehr zu schätzen, nun wieder ganz einfach mit dem Fahrrad von A nach B zu kommen, sogar wenn es schon dunkel ist.

Großes Interesse an meiner Heimkehr hatte allerdings auch die Krankenversicherung, bei der ich mich ganz offiziell zurückmelden musste. Obendrein hatte ich auch für den Studienstart noch einige Formulare auszufüllen. Deutsche Bürokratie? Ich glaube, das wäre nirgendwo anders. Trotzdem habe ich mir meinen ersten Terminplaner seit meinem Schülerkalender gekauft.

Mit moderner Kommunikation ist es zum Glück kein Ding der Unmöglichkeit, mit meinen kapstädter Freunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben. Tatsächlich freue ich mich wie eine Schneekönigin über jedes Lebenszeichen von ihnen und schreibe fleißig zurück. Es war mit Sicherheit nicht das letze Mal, dass ich in Südafrika war.

 

 

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