Glanz und Grubenwasser

Johannesburg liegt auf einer Hochebene gut 1700 Meter über dem Meeresspiegel. Kein bedeutender Fluss in der Nähe, keine historische Handelsstraße… Was hat die Menschen nur bewogen, sich dieses Fleckchen Erde für eine Stadtgründung auszusuchen?

Die Antwort lautet: innere Werte. Auslöser für die Stadtgründung war die Entdeckung von Gold am Witwatersrand im Juli 1886. Im August 1886 hatte das noch namenlose Camp der Goldgräber bereits 3000 Einwohner, doch erst am 4. Oktober dieses Jahres wurde Johannesburg formell gegründet und benannt.

Damals hätte wohl keiner gedacht, dass sich die Goldgräbersiedlung einmal zur Metropole entwickeln würde. Die Goldader erwies sich jedoch als ergiebiger als erwartet. Tatsächlich ist das Goldfeld am Witwatersrand die weltweit größte Lagerstätte.  Kaum 10 Jahre nach der Gründung hatte Johannesburg schon mehr als 100.000 Einwohner.

Die Stadt entwickelte sich zum Schmelztiegel der Kulturen. Siedler von britischer und holländischer Abstammung, jüdische Einwanderer aus Osteuropa, Inder, die ursprünglich wegen der Zuckerfelder in Natal nach Südafrika gekommen waren, Wanderarbeiter aus dem heutigen Eastern Cape oder sogar aus Mozambique und viele, viele mehr zog es nach Johannesburg. Der Zulu-Name der Stadt ist „eGoli“ – Stadt des Goldes.

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Was funkelt da? Erz im Fels

Gold – ein glänzendes Geschäft? Nicht ganz! Auch wenn das Erz, das in Johannesburg gefördert wurde, reich an Gold war – es zu fördern war eine Knochenarbeit, die vorwiegend von schlecht bezahlten Wanderarbeitern aus ländlichen Gebieten verrichtet wurde. Nicht wenige von ihnen ließen ihr Leben. Wenn das Erz dann endlich gefördert war, musste das Gold daraus extrahiert werden. Seit 1890 nutzte man für die Goldextraktion Cyanid. Die Erträge waren gut, die Gesundheitsgefahren wegen der giftigen Chemikalien jedoch auch nicht ohne.

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Seit den 1980er-Jahren ist der Goldabbau auf dem absteigenden Ast. Um an reiches Erz zu kommen, muss man immer tiefer graben, bis zu 4000 Meter tief. Obendrein schwächelt der Goldpreis – viele Minen sind nicht mehr profitabel. Ganz Geschichte ist der Goldrausch aber noch nicht. Nach wie vor haben namhafte internationale Bergbau-Konzerne einen Sitz in Johannesburg. Mitten in der Stadt findet man zum Denkmal umgewidmete alte Fördertürme und am Horizont türmen sich die Abraumhalden auf.

Ein bisschen wird die Gründungsgeschichte auch touristisch ausgeschlachtet. Im Freizeitpark Gold Reef City heißen die Fahrgeschäfte Miner´s Revenge oder Golden Loop. Nachgebaute Häuser aus der Gründerzeit Johannesburgs sollen Goldrauschatmosphäre vermitteln und Besucher dürfen sich im Goldwaschen versuchen. Das ganze Spektakel hat jedoch einen historischen Hinter- oder, besser gesagt, Untergrund: Die Anlage befindet sich auf dem Gelände der stillg

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Unter Tage

elegten Crown Mine. Zumindest die oberste Etage der Mine 75m unter der Erdoberfläche, kann man, ausgestattet mit Helm und Taschenlampe und mit einem Guide, auch besichtigen. Ich glaube nicht, dass die Minentour auch nur annähernd einen Eindruck von den Zuständen in einer in Betrieb stehenden Goldmine vermittelt hat. Statt dem Lärm von Presslufthämmern die sich ins Gestein fressen, hörten wir nur die ruhige Stimme unserer Touristenführerin und hin und wieder den Wiederhall von tropfendem Wasser.

Langsam aber sicher läuft der Schacht mit Wasser voll. Dasselbe geschieht mit vielen stillgelegten Minen. Ganz ohne ist das nicht: Wasser und Sauerstoff lösen zuerst Schwefel aus dem Fels. Der macht das Wasser so sauer, dass weitere Metalle aus dem Gestein gewaschen werden. Dass Wasser Metallionen enthält, ist ganz natürlich. Die Konzentration und Zusammensetzung in den sauren Grubenwässern ist jedoch der reinste Giftcocktail. An manchen Stellen hat die Brühe schon die Oberfläche erreicht und Land und Wasser verseucht. Das Geld, das die Bergbaufirmen für die Rekultivierung zur Seite gelegt haben, reicht hinten und vorne nicht, um angemessen gegen die Schäden vorzugehen.

Johannesburg liegt auf einer Hochebene gut 1700 Meter über dem Meeresspiegel. Die Nachwirkungen von einem Jahrhundert intensivem Bergbau prägen die Landschaft…. Was hat das wohl für Auswirkungen auf die Zukunft der Stadt?

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