KAPitale Verwirrung

Ganz intuitiv würde wahrscheinlich jeder Tourist den südlichsten Punkt Afrikas in Südafrika vermuten. Aber wo genau?

p1030017Touristenströme pilgern bevorzugt von Kapstadt aus in den Cape Peninsula National Park zum Cape Point. Dabei handelt es sich um ein touristisch gut erschlossenes und mit dem dicken schwarz-weiß-roten Leuchtturm auch sehr vorzeigbares Fleckchen Erde. 1859 wurde der Leuchtturm in 238m Höhe auf das Kliff gesetzt, was sich schon bald als keine so gute Idee erwies. Weil der Leuchtturm so hoch über dem Meer steht, verfing sich sein Licht zu oft im Nebel, der häufig um das Kliff wabert. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein neuer Leuchtturm dichter am Wasser gebaut wurde, ist der alte Leuchtturm nur noch Fotomotiv. Und das, obwohl er nur auf einem völlig beliebigen Kliff an der Südküste Afrikas steht.

IMG-20170323-WA0002In der Tat ist der Cape Point nicht einmal der südlichste Punkt des Cape Peninsula National Parks. Der liegt nämlich am Kap der Guten Hoffnung, das ungefähr 2km entfernt ist – und eine ganze Bogensekunde (ca. 60m) südlicher, wie das Hinweisschild mit den Koordinaten verrät. Der erste Europäer, der das Kap der Guten Hoffnung sah, war 1488 der portugiesische Entdecker Batholomeu Diaz. Er taufte es Kap der Stürme. Die starken Winde und die felsige Küste waren früher bei Seefahrern sehr gefürchtet. Zu Recht, wie zahlreiche Schiffswracks dokumentieren. Wegen der markanten Richtungsänderung der Küstenlinie wähnte sich Diaz damals an der Südspitze Afrikas. Heute weiß man es besser: Auch wer am Kap der Guten Hoffnung steht, kann aber „nur“ von sich behaupten, am süd-westlichsten Punkt Afrikas zu sein.

IMG-20170323-WA0000Der wirklich und tatsächlich südlichste Punkt ist das Kap Agulhas. Einen bilderbuchmäßigen Leuchtturm gibt es auch dort zu sehen, wer spektakuläre Klippen erwartet wird allerdings eher enttäuscht sein. Das Kap Agulhas streckt flach ins Meer hinaus. Der Beliebtheit tut das keinen Abbruch. Über einen Holzbohlenweg durch die Dünen kommt man zu einem Sockel, dessen Inschrift einen darüber informiert, dass man an der südlichsten Spitze des Kontinents steht. Sich dort fotographieren zu lassen, fällt nicht schwer: Genug andere Touristen haben den Ort eines Ausflugs für Wert befunden.

Warum eigentlich? Vielleicht ist es eine Suche nach den Extremen.  Reisen weitet ja bekanntlich den Horizont. Warum soll man es damit nicht auf die Spitze treiben? Im Dezember schon war ich am Cape Point. Während der letzten beiden Wochen habe ich zusammen mit meinen Eltern Urlaub gemacht und die beiden anderen Kaps abgeklappert. Ganz abgesehen davon, dass ich mich immer weiter nach Süden vorgearbeitet habe: Der schier unendliche Horizont an allen drei Orten, der hat schon was!

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