Im Frack am Strand

Wer „Pinguin“ hört, denkt an Südpol, Eis und Schnee – stimmt´s? Bis auf die Südhalbkugel muss man tatsächlich reisen, um Pinguine in freier Wildbahn zu sehen, die Wintersachen sind dagegen nicht zwangsweise nötig.

45km südlich von Kapstadt liegt das 7000-Einwohner-Städtchen Simon´s Town. Der dortige Boulders Beach ist berühmt für seine Brillenpinguin-Kolonie. Noch viel mehr zusehen gibt es allerdings von den Holzbohlenwegen am benachbarten Foxy Beach. Ich habe gerade Urlaub und Besuch von meinen Eltern und am Freitag haben wir den Pinguinen einen Besuch abgestattet.

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Ich liebe Kino, aber Pinguine beobachten ist fast genauso schön. Wahrscheinlich liegt es am aufrechten Gang…Die ungefähr 60 cm hohen Tiere wirken irgendwie menschlich. Das ist natürlich alles Interpretation, denn tatsächlich bekommt man von den Holzbohlenwegen aus einen Einblick in original pinguineske Verhaltensweisen.

img-20170304-wa0011Brillenpinguine sehen an Land irgendwie tapsig aus. Wenn sie aber aufs Meeresufer zuwatscheln, erreichen sie ein durchaus beeindruckendes Tempo. Und sobald sie erst im Wasser sind, legen sie sowieso jedes bisschen Tollpatschigkeit ab. Ihr ganzer Körperbau ist aufs Schwimmen ausgelegt. Im Meer fangen sie Schwarmfische wie zum Beispiel Sardinen.

img_2646Weil das Meer zu allen Jahreszeiten genug Futter bietet, gibt es keine gesonderte Brutsaison. Deswegen kann man in der Pinguinkolonie alle Entwicklungsstadien sehen. Brillenpinguine brüten in Höhlen im Sand. Die Partner bleiben in der Regel Lebenslang zusammen. Beim Brüten wechseln sie sich ab. Nach 6 Wochen schlüpft das Küken. Das bräunliche Daunengefieder der Küken ist noch nicht wasserabweisend. Die lieben Kleinen gehen zunächst also nicht selber auf die Jagd, sondern lassen sich von den Eltern füttern.Die Küken stehen – frei nach dem Prinzip Kindergarten – in Grüppchen zusammen, während die Eltern im Wasser sind. Nach 3 Monaten mausern sie sichund werden flügge. Die Jungtiere lassen sich immer noch am Gefieder erkennen: Sie sind etwas bläulicher als die Erwachsenen und haben eine Art Pelzkragen aus flauschigen Federn.

Obwohl der Brillenpinguin die neben dem Galapagospinguin am häufigsten in Zoos gehaltene Pinguinart ist, gehören Brillenpinguine zu den bedrohten Arten. Ihre natürlichen Feinde sind Haie und Seebären, auch an Land droht Gefahr, zum Beispiel von Haus- und Wildkatzen und Möwen haben es auf die Pinguineier abgesehen. Viel verheerender ist aber der menschliche Einfluss. Durch Überfischung der Meere, Lebensraumzerstörung und Meeresverschmutzung hat der Bestand an Brillenpinguinen in den letzten Jahrzehnten immer weiter abgenommen. Es gibt weltweit nur noch etwa 20.000 Brutpaare in freier Wildbahn.

Mit diesem Hintergedanken wirkt das Hinweisschild, dass man, bevor man sein Auto ausparkt, nachschauen soll, ob ein Pinguin darunter liegt, doch gleich nur noch halb so lustig.

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