Und, wie war´s?

Gestern habe ich meinen Stop-Motion-Workshop durchgeführt. Im Voraus kam mir das ganze Projekt vor wie die berühmte Forrest-Gump´sche Pralinenschachtel: Man weiß nie, was man bekommt. Trotz kleinerer Überraschungen lief aber alles bestens.

Mein Kollege Madoda veranstaltet einen wöchentlichen Lesezirkel in Khayelitsha-Site C und hatte aus dieser Gruppe fünf Jungs eingeladen. Einer bekam kurzfristig die Gelegenheit zu einem Vorstellungsgespräch zu gehen, zwei andere hatten wegen eines zeitgleich stattfindenden Workshops einer anderen Organisation abgesagt. Meine erste Überraschung war also, dass ich es mit zwei Teilnehmern statt fünf bis sieben zu tun hatte.

Als thematischen Rahmen für den Workshop hatten  Madoda und ich „Arbeitslosigkeit“ festgelegt. Dass es ein politisches Thema sein sollte, stand quasi fest – Das gehört sich so für einen AIDC-Workshop. Eine Diskussion darüber anzuzetteln, erwies sich bei unserem Publikum als nicht schwierig. Malethu und Khayelethu fingen an zu erzählen, wie in einem Haushalt von 8 oder 9 Leuten vielleicht 2 Arbeit haben, wie Arbeitslose irgendwann die Jobsuche aufgeben und nur noch auf der Straße sitzen, wie Jugendliche die Schule abbrechen, weil zuhause kein Geld für Hefte und Schuluniformen übrig ist. Gemeinsam diskutierten sie über Ursachen und Lösungsmöglichkeiten für diese Probleme.

Und dann ging es an die Filmproduktion…Auf Grundlage der Diskussion zeichneten und schrieben Malethu und Khayelethu ein Storyboard. Das ging so flott und unkompliziert, wie ich es noch bei keinem anderen Filmworkshop erlebt habe. Zeichentalent war auch im nächsten Schritt gefragt, als wir Papierfiguren für den Film gebastelt haben. Ich hatte mir vorgenommen, mich möglichst wenig in die Filmproduktion einzumischen – mit gebastelt habe ich letztlich doch, weil es mit vielen Händen einfach schneller geht. Nach dem Mittagessen zeigte ich den beiden Jungs, wie man die Figuren animiert. Stop Motion funktioniert so ähnlich wie ein Daumenkino: Man schießt ein Foto, bewegt die Figuren ein Stückchen, schießt noch ein Foto und wenn man die Bilder schnell hintereinander abspielt, sehen sie aus, wie ein flüssiger Film. Dazu muss man sie aber mit einem Videoschnittprogramm bearbeiten. Wie das geht, beschäftigte uns den Rest des Nachmittags.

Der Film erzählt die Geschichte eines Schulabbrechers aus Khayelitsha, der arbeitslos ist. Aber anstatt sich aufzugeben, schließt er sich mit anderen Arbeitslosen zusammen und sie demonstrieren dafür, dass die Regierung Jobs, zum Beispiel auf Baustellen oder im Dienstleistungsbereich, schafft, in denen man auch ohne Schulabschluss arbeiten kann.

Kurz bevor wir den Audiokommentar aufgenommen haben, hatte Madoda noch eine gute Idee: Wie wäre es, unserer Hauptfigur einen Namen zu geben? Malethu lieh dem kleinen Pappkamerad ohne Umschweife seinen Namen und sagte, dass es auch ein bisschen seine Geschichte ist. Er hat die High School nach der 10. Klasse abgebrochen. Inzwischen ist er 23 und ohne Arbeit – aber politisch engagiert. Arbeitslosigkeit ist ein Problem, dass die beiden Jungs ganz unmittelbar persönlich betrifft.

Als der Film dann fertig war, waren Malethu und Khayelethu sichtlich stolz. Das Ergebnis kann sich gemessen an der kürze der Zeit wirklich sehen lassen. Ich habe das Gefühl, dass ich viel von meinen Stop-Motion-Fähigkeiten vermitteln konnte.

Der Workshop war aber auch für mich eine Horizonterweiterung. Es ist für mich einfacher mit dem reichen und schönen Kapstadt in Kontakt zu kommen, als mit dem Alltag in Khayelitsha .Was sich in den Cape Flats abspielt, habe ich bisher vor allem in den Kriminalfall-Berichten in der Zeitung gelesen. Zwar kommen auch zu anderen Meetings Zuhörer aus Khayelitsha, aber so intensiv wie mit den beiden Jungs habe ich mich bisher noch mit keinen von ihnen unterhalten. Ich habe mir fest vorgenommen, demnächst Madoda zum Lesezirkel zu begleiten. Malethu und Khayelethu haben mich herzlich eingeladen.

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2 Kommentare zu „Und, wie war´s?

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