Sommerimpressionen aus Kirstenbosch

Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich einen etwas krepeligen Baum. Und sehr viele Hausdächer. Am Wochenende hatte ich Lust auf etwas mehr Grün. Wald und Wiese statt Großstadtdschungel. Die grüne Oase meiner Wahl: Der Kirstenbosch Botanical Garden.

Es ist Hochsommer und das bedeutet hier vor allem Trockenheit. Gestern hat es ein bisschen genieselt, aber der letzte einigermaßen ergiebige Regen ist schon bestimmt zweieinhalb Wochen her. Entsprechend ist im botanischen Garten nicht gerade Hochsaison, aber ein paar Schmuckstückchen und All-Time-Favourites habe ich trotzdem vorgefunden. Hier eine kleine Gartenführung in Fotos.

Die Kampferallee

p1030482Der große Imperialist Cecil John Rhodes hatte die Vision von einer Eisenbahnverbindung von Kairo bis ans Kap. Fertiggestellt wurde die nie, aber kleinere Brötchen backen konnte Cecil John Rhodes erfolgreich: 1898 baute er den Weg, der von seiner Residenz Groote Schuur zu den Weinländern in Constancia führte zur Allee aus, die Kampferallee ist ein Teil davon. So umstritten Rhodes Wirken hier und heute ist: Diese Allee würde ich als ganz positiven Nachlass bewerten. Die alten Bäume überschatten die Straße wie ein grüner Tunnel und sorgen auch bei hochsommerlichen Temperaturen für einen angenehmen Aufstieg.

Jan van Riebeecks Mandelhecke

Mauern bauen, um die Fremden draußen zu halten, ist gerade in aller Munde… Eine ähnliche Idee hatte auch der erste Kapgouverneur Jan van Riebeeck und ließ 1660 rund um die Kapkolonie eine riesige Hecke aus wilden Mandeln pflanzen, um die – wohlgemerkt einheimischen – KhoiKhoi fernzuhalten. Was heute davon übrig ist, sieht absolut märchenhaft aus. Das dazugehörige Schild erinnert allerdings daran, dass die Hecke „the first step on the road to Apartheid“ darstellt.

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Grüne Apotheke

Im botanischen Garten stehen in den Beeten nicht nur Pflanzen, sondern auch kleine Schildchen mit ihren besonderen Charakteristika. Mich hat dabei fasziniert, wofür Pflanzen alles genutzt werden können.

Der Suikerbos (Protea repens) hat seinen Namen nicht ohne Grund: Die Pflanze produziert beeindruckende Mengen süßen Nektar. Früher wurde der zu einem Sirup eingekocht, der als Süßstoff und Medizin genutzt wurde.

Die Sauerfeige (Carpobrotus edulis) steckt den Suikerbos was Vielseitigkeit angeht sogar noch in die Tasche: Der Saft ihrer Blätter kann zum Gurgeln verwendet werden. Die Früchte taugen als Nascherei zwischendurch genauso wie als Ausgangsstoff für Sirup oder Konfitüre. Und die Khoikhoifrauen nutzten die Pflanze in der Geburtshilfe.

Das Blumenbeet als Apotheke – Was Pflanzen so alles können! Und das alles schließt noch nicht die positive Wirkung ein, die so ein botanischer Garten für großstadtgeplagte Gemüter hat…

Rätselhafte Schönheiten

Strelizien! Im Vergleich zur Pflanzenabteilung in deutschen Baumärkten wirkt die Üppigkeit dieser Pflanzen hier nahezu protzig. Und dabei ist nicht einmal Hauptblütezeit. Eine frische Blüte habe ich gefunden – die anderen waren mehr oder weniger vertrocknet und mit feinem Maschendraht umwickelt. Wozu das denn?

Das Drahtgeflecht soll die Streliziensamen vor Grauhörnchen schützen. Grauhörnchen wurden um 1900 als Haustiere aus Nordamerika eingeführt – inzwischen gibt es ein größeres Vorkommen an verwilderten Tieren in Kapstadt und Umgebung. Irgendwann in den letzten hundert Jahren sind die felligen Freunde auf den Geschmack gekommen, Streliziensamen zu fressen. Die Gärtner von Kirstenbosch freut das nicht. Und wer ist Schuld an der Misere? Cecil John Rhodes! Die Grauhörnchen wurden auf seine Veranlassung nach Südafrika eingeführt.

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