Landpartie?

Für originelle Wochenendausflüge bin ich immer zu haben. Gestern war ich bei einer Farmlandtour im Philippi Horticultural Area.

Das Philippi Horticultural Area umfasst 3000ha, ungefähr die Hälfte davon wird ackerbaulich genutzt. Jährlich werden dort 150000t Gemüse und Blumen angebaut – Das Areal ist das produktivste Anbaugebiet Südafrikas. Wie kommt das? Zum einen sichert eine grundwasserführende Bodenschicht direkt unter dem Gebiet die Wasserversorgung. Genug verfügbares Wasser für die Sprenkelanlagen ist viel wert in einem dürregeplagtten Land wie Südafrika. Zum anderen ist der Boden gut. Das hängt mit einem weiteren Charakteristikum des Areals zusammen: Während der Regenfälle im Winter stehen 30% des Lands unter Wasser. In dem Feuchtgebiet sammeln sich Vögel, zum Beispiel Flamingos, die mit ihrem Kot für Düngung sorgen.

Das klingt jetzt alles nach einer Fahrt aufs Land. Tatsächlich liegt das Philippi Horticultural Area in direkter Nachbarschaft zu den Townships Philippi, Manenberg, Ottery und Mitchells Plain – alles dicht besiedelte Gebiete. Einerseits ist die stadtnahe Lage ein Segen, weil die kurzen Wege des Gemüses vom Feld zum Verbraucher die Transportkosten minimieren, andererseits ist aber auch ein Fluch, denn die Lage macht das Land für Investoren interessant. Es gibt Pläne, ungefähr ein Viertel der Fläche zu bebauen, Wohnhäuser, Shopping Malls, Privatschulen und sogar ein Gefängnis. Eine weitere Gefahr: Tagebau. Unterirdisch lagert sehr reiner Quarzitsand, der für die Glasherstellung interessant ist. 50ha gehören bereits der Firma Consol, die sich von der Ausbeutung der Sandvorkommen Gewinn erhofft.

campaign-centreVeranstalter der Farmlandtour war die PHA Food&Farming Campaign, die sich seit 7 Jahren unermüdlich für den Erhalt der Fläche als Farmland einsetzt. Nazeer Sonday, Kopf der Kampagne, war als Redner beim letzten Million Climate Jobs Meeting eingeladen. Sein Vortrag dort hatte mich schon mit reichlich Informationen über die Kampagne versorgt.

Gestern war das plötzlich alles keine reine Theorie mehr. Während der Farmlandtour in zwei Kleinbussen standen wir auf den Flecken Erde, um die die PHA Food&Farming Campaign so vehement kämpft. Was mir als allererstes auffiel, war das satte Grün, das es im ganzen Areal zu sehen gab. Kein Vergleich zu der Farm im Breede River Valley, auf der ich vor 2 Wochen war. Sämtliche Zahlen und Statistiken über die Produktivität des Areals kamen mir plötzlich sehr glaubhaft vor: Wer in Kapstadt einen Kopfsalat kauft, kann sich fast sicher sein, dass der aus Philippi kommt, wie 80% des in der Stadt verkauften Gemüses.

mining
Wo heute Kühe weiden, könnte künftig nichts als ein Tagebauloch zu sehen sein.

Nicht nur wegen der Qualität des Ackerlands will die PHA Food&Farming Campaign verhindern, dass Boden zugeteert oder von 30m tiefen Tagebaugruben gelöchert wird. Der Regen, der auf die Fläche fällt, ist auch außerordentlich wichtig für die Auffüllung des unterirdischen Grundwasserspeichers. Wenn dieser trockenfällt oder verschmutzt, ist nicht nur das bebaute Land für den Ackerbau verloren, sondern das ganze Philippi Horticultural Area, das von den Wasservorräten im Aquifer abhängig ist.

Start- und Endpunkt der Farmlandtour war das Versammlungszentrum der PHA Food&Farming Campaign. Ursprünglich war das Gebäude wohl einmal die Garage von Nazeers 2ha großer Biofarm. Die Wände, die  mit Protestplakaten, Fotos von Aktionstagen, Zeitungsartikeln und Flipcharts, vollgeschrieben mit Strategieplänen, zugepflastert sind, machen aber klar: Hier werden wichtige Dinge besprochen, und das mit vollem Eifer. Zwei große Projekte stehen bei der Kampagne im kommenden Jahr an: Ein Gerichtsprozess gegen eine Investorengruppe, die mit den Umweltgutachten geschlumpert hat und ein Antrag, das Philippi Horticultural Area als Kulturlandschaft zum Western Cape Heritage erklären zu lassen.

Der Enthusiasmus und die Hartnäckigkeit von Nazeer und seinen Mitstreitern hat mich sehr beeindruckt. Wenn ich das nächste Mal Gemüse einkaufen gehe, werde ich bestimmt an die PHA Food&Farming Campaign denken und ihnen die Daumen drücken für die Vorhaben des kommenden Jahres.

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4 Kommentare zu „Landpartie?

  1. Apropos Wochenend-Ausflüge

    Liebe Lucia,
    am kommenden Wochenende findet in und um Kapstadt die weltweit größte Jedermann-Radsport-Veranstaltung, die Cape Argus Cycle Tour, mit mehr als 35.000 Teilnehmer statt. Vor allem die autofreie Fahrt am Chapman’s Peak Drive wird wohl keiner der Teilnehmer vergessen. Infos und Anmeldung findest du unter „www.cycletour.co.za“.

    Liebe Grüße aus dem Rheinland, Holger

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    1. Lieber Holger,
      Ich kann mir gut vorstellen, dass 109 km durch die beeindruckende (und ganz schön bergige) Landschaft am Kap Traum und Herausforderung für viele Radler sind.
      Schon jetzt stehen an vielen Straßen Hinweisschilder, die auf die Straßensperrung am nächsten Wochenende hinweisen. Wenn am nächsten Sonntag dann aber der Startschuss fällt, bin ich gar nicht in Kapstadt, sondern im Urlaub.
      Das Spektakel entgeht mir also leider.

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      1. Hallo Lucia,
        du wirst in den nächsten Wochen/Monaten bestimmt auch mal so über den Chapman’s Peak fahren können.
        Ich wünsche dir einen schönen und erholsamen Urlaub.

        Liebe Grüße, Holger

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