Kükenbonus

Vor zweieinhalb Wochen hatte eine Kollegin Geburtstag. Bei der gemeinsamen Kuchenrunde, kam nicht nur die Frage auf, wie alt sie denn geworden sei, sondern auch die nach meinem Alter. „Eighteen!“, sagte ich ganz wahrheitsgemäß und ohne mir viel dabei zu denken. Die Antwort war ein ganzer Wortschwall aus:“Gosh, you´re still a baby! Still a baby!“ Auch wenn ich mich nicht sonderlich wie ein Baby fühle, bin ich bei AIDC eindeutig das Küken. Selbst Anna, die schon ein Bachelorstudium abgeschlossen hat, ist eine Ecke älter als ich.

Ein wesentlicher Kritikpunkt am Programm „weltwärts“ ist, dass die Freiwilligen zum überwiegenden Teil so jung sind. Als entwicklungspolitischer Freiwilligendienst sieht „weltwärts“ vor, dass die Freiwilligen das Entwicklungsprojekt unterstützen, für das sie arbeiten. Aber was sollen junge Leute ohne jede berufliche Ausbildung denn schon helfen können? Ist das nicht alles nur ein staatlich finanzierter Selbstfindungstrip? Oder schlimmer noch: eine subventionierte Partyreise?

Die Tatsache ist, dass ich mir in der Arbeit noch keine Sekunde nutzlos vorkam. Mit der Arbeit an der Website habe ich schon in der ersten Woche ein Arbeitsfeld gefunden, in dem ich mich einbringen kann. Inzwischen sind ein paar Aufgaben dazugekommen.

Am letzten Donnerstag fand das monatliche Treffen der Million Climate Jobs Campaign statt. Da Dominic, mein Co in Sachen Medienpräsenz, an dem Tag verhindert war, bin ich ratzbatz in die Rolle der Protokollantin und Berichterstatterin aufgerückt. Nachdem ich meinen Text auf Formulierungsfehler gegenlesen lassen habe, ist die Zusammenfassung über das Million Climate Jobs Meeting ist inzwischen online – ohne dass ich weitere inhaltliche Ergänzungen vornehmen musste. Kommentar meines freundlichen Korrekturlesers: „You´re hired to write these reports!“20161103_212632

Bei meinem vorletzten Mentoring-Treffen mit Jeff fragte er mich, welche der x Broschüren, mit denen er mich gleich am ersten Tag eingedeckt hatte, ich denn schon gelesen habe. Das führte zu einem Gespräch darüber, dass diese Heftchen, egal wie einfach sie formuliert sind, nur lesende Menschen erreichen, und zu einem Auftrag für mich: Ich darf jetzt einen Stop-Motion-Werbeclip über die Vorzüge von Regenwasserzisternen für das Popular Education Programme produzieren. Momentan bastel ich dazu fleißig Kulissenteile und Figuren aus Buntpapier und wenn ich damit flink vorankomme, kann ich nächste Woche mit dem Animieren anfangen. Ich habe schon mehrere Papiertrickfilme produziert, für die Schule oder im Rahmen von Stop-Motion-Workshops, bei AIDC musste ich erst einmal erklären, wie das denn funktioniert: Man macht ein Foto von den Papierfiguren, bewegt sie ein Stück weiter, macht noch ein Foto – viele dieser Fotos schnell hintereinander abgespielt ergeben einen flüssigen Film. Es fühlt sich gut an, ein eigenes kleines Projekt zu haben. Natürlich arbeite ich auf inhaltlicher Ebene auch für den Film eng mit meinen Kollegen zusammen, die technische Seite dagegen ist mein Hoheitsgebiet. Obwohl ich gerade erst mit der Schule fertig bin und nüchtern betrachtet wirklich noch Eierschale hinter den Ohren habe, kann ich so mit   meinen Fähigkeiten AIDC unterstützen.

Besagte Kollegin fragte mich heute, was ich den studiert hätte. „I have just finished school.“, antwortete ich. Ihr Kommentar dazu: „I always forget, that you´re still a baby.“ Das war wahrscheinlich das größtmögliche Kompliment.

 

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Ein Kommentar zu „Kükenbonus

  1. Hallo Lucia,
    herzlichen Glückwunsch zu Deinem letzten Bericht! Er ist sehr lebendig geschrieben, so dass ich gerne noch mehr von Deinen Erlebnissen hören würde!
    Du wirst Dich wundern, von wem Du dieses Lob erhälst. Bei einer schönen Fahrt durch die herbstbunte Oberpfalz erzählte mir gestern Dein Großvater begeistert von Deinem Schilderungen über Deine Erlebnisse in Südafrika, sodass ich ihn bat, mir doch ein Beispiel eines Deiner Berichte zu schicken.
    Übrigens finde ich Deinen Mut sehr bemerkenswert! Im Laufe der Jahre habe ich, u.a. auch persönlich – von weißen Südafrikanern – sehr Irritierendes über Südafrika gehört.
    Unser Sohn Florian war vor einigen Jahren anläßlich einer Konferenz auch dort, hat aber leider nur von der überwältigend schönen Landschaft am Kap berichtet.

    Weiterhin viel Erfolg!
    Hans-Martin Thieringer

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